31. Juli 2012

Erinnerungen

So kurz vor meinem zweiten Urlaub kommen bei mir viele Erinnerungen an meine Kindheit auf, denn wir fahren in ein Land, in welchem ich fünf Jahre mit meinen Eltern lebte- Russland. Ich weiß noch genau, wie mein Vater eines Tages aus dem Betrieb (Werkzeugmaschinenbau) nach Hause kam und wir Familienrat hielten. Er meinte, dass er ein Angebot erhalten hätte, für seinen Betrieb in der Handelsvertetung der DDR in Moskau zu arbeiten und nun unsere Meinung hören wollte.Wir saßen an unserem hellblauen Küchentisch und waren erstmal platt. Danach ging alles ziemlich schnell. Meine Eltern mussten die Schulbank drücken wie die Wilden, denn die russische Sprache wurde in Crashkursen gepaukt und irgendwann ging es für uns in die große Sowjetunion. Ich war 1976 12 Jahre alt und von den Eindrücken der Großstadt Moskau mehr als erschlagen. Vor allem wurde uns schnell bewusst, dass es den russischen Menschen damals richtig bescheiden ging... die Läden waren so gut wie leer, was Nahrungsmittel anbetraf. Dagegen war die DDR ein "Paradies".Ich besuchte die Botschaftsschule und war geplagt von riesigem Heimweh. Heute würde man von Mobbing sprechen, was mir widerfuhr, denn auf Grund meiner sächsischen Sprache wurde ich von vielen Kindern verspottet, ausgegrenzt und zum Teil beschimpft. Es war wirklich schlimm. Der Großteil der Schulkinder waren Berliner... man kann sich also vorstellen, was los war, wenn ich im Unterricht eine Antwort gab. Indianergeheule ist nichts dagegen. Daheim heulten wir mit meiner Mutti um die Wette, ihr ging es auf eine ähnliche Weise so und der Vater hatte alle Hände voll zu tun, seine Frauen zu beruhigen. Irgendwann haben wir uns eingelebt und vor allem Russland kennen lernen dürfen. Ich lernte sehr schnell die russische Sprache (KInder halt),war viel in Ferienlagern mit anderen russischen Kindern und meine Eltern pflegten viele Freundschaften mit Russen, Armeniern und Georgen. Unter anderem war ich mit 14 Jahren auch in dem berühmten Pionierlager "Artek" auf der Krim.
Zu einem meiner schönsten Erlebnisse aus der damaligen Zeit gehört eine Reise mit meiner Mutti nach Leningrad zu russischen Freunden. Heute heißt die Stadt Petersburg und zu dieser kehren wir in den nächsten Tagen irgendwie zurück. Ich habe etwas Bammel davor, weil ich überhaupt nicht weiß, was mich erwarten wird. Als wir 1985 in unsere Heimat zurückkehrten, ging es den Russen nicht so gut. Der Lebensstandard war bei den meisten Menschen eher bescheiden, aber es gab nicht diese Riesenkluft zwischen arm und reich. Davor graut es mir, denn ich weiß aus Erzählungen, dass es vor allem den alten Menschen dort nicht so gut geht. Die Sehenswürdigkeiten von Petersburg kennen wir, trotzdem wird sich sehr viel verändert haben. Komischerweise zog es uns nie wieder nach Moskau, wo wir fünf Jahre lebten. Aber besonders meine Mutti freut sich auf Petersburg. MIr wird wieder schmerzlich bewusst, dass mein Vater dies gern auch noch einmal erlebt hätte. Deshalb werde ich die Stadt mit Freude, aber auch mit Trauer wiedersehen.
Hier noch ein sehr altes Bild aus Artek. Ich bin in der hinteren Reihe das große Mädchen (11. von links).

Kommentare:

  1. Hallo Arnie,
    ich habe deinen heutigen Eintrag mit Interesse gelesen. Da hast du ja schon allerhand "mitgemacht". Dir und deiner Mama wünsche ich eine gute Reise und enen angenehmen Aufenthalt mit schönen Erinnerungen an früher und neuen interessanten Eindrücken.
    Auch sonst lese ich übrigens gerne in deinem Blog.
    LG Marion (rubbel)

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    1. Das ist aber nett geschrieben von dir, Danke!
      Herzliche Grüße von Sylvia

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  2. Liebe Arnie,

    dein Bericht hat mich sehr berührt, weil vieles mir aus dem Herzen gesprochen hat. Das Foto ist fantastisch! :-)

    Ich wünsche dir eine gute Reise!

    Viele Grüße,
    papillionis

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  3. Bitte, bitte erzähl von Petersburg. Vielleicht schreibst du mir bei Bedarf auch eine Email. Ich war zweimal jeweils einen Monat dort, als Kind war ich in Moskau.. mein Onkel arbeitete auf der Botschaft. Ich fand Petersburg immer toll... war dort in herzliche Familien integriert... für die Deutschland schon ein Schlaraffenland scheint. Ich würde sooooo gern wieder fahren... Meld dich!!! Liebe Grüße und wirklich tausend Grüße nach Petersburg!

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    1. Ich schreibe dir gern eine Mail, müsste aber wissen, wer du bist.
      LG von Arnie

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