18. August 2012

Das schlechte Gewissen plagt....

...undzwar mich!!! Noch nie, wirklich noch nie habe ich so spät in den Sommerferien etwas für die Schule gemacht bzw. war ich seit meinem Urlaub überhaupt  noch nicht dort. Aber da ich einen Mann habe, der wirklich sauer reagiert, wenn ich überhaupt laut darüber nachdenke und etwas von schlechtem Gewissen fasele, erhole ich mich noch etwas und fahre nun endgültig am Montag zu meinem Arbeitsort.
Ehrlich gesagt erfasst mich ja schon etwas die Panik, wenn ich in allen möglichen Blogs über die Vorbereitungsarbeiten, die Vorfreude und die intensive Lehrmittelherstellung der einzelnen Kolleginnen lese. Trotzdem muss ich mich zurücknehmen, da ich gemerkt habe (am Ende des letzten Schuljahres) wie leer mein Akku war. Außerdem denke ich zur Zeit sehr darauf herum, wie professionell und ausgeklügelt heute Unterricht überhaupt sein muss. Bitte nicht falsch verstehen! Ich bin ein großer Anhänger moderner Unterrichts-methoden und wollte/will in meiner Entwicklung als Lehrerin nie stehen bleiben.Trotzdem muss ich kritisch anmerken, dass ich oftmals viel Zeit und Kraft in Dinge gesteckt habe, deren Effektivität dann nicht so hoch war. Schon allein für die Herstellung bestimmter Arbeitsmittel braucht man viel Zeit... aber das weiß jeder, der den Grundschullehrerberuf liebt. Auch die fehlende Wertschätzung meiner Arbeit machte mir in den letzten Monaten des Schuljahres oft zu schaffen. Lob und anerkennende Worte (egal ob von SL oder Eltern) sind heute zur Seltenheit geworden (so erlebe ich es zur Zeit). Immer wieder werden Lehrer aufgefordert, Kinder zu loben, da dies motiviert, anspornt und einfach der Seele guttut. Dasselbige tut es auch bei Lehrern. Aber ich glaube, nach vielen Gesprächen mit Freunden und Familie, dies ist nicht nur ein Problem in unserem Berufszweig, sondern allgemeiner Art.

((Nur soviel: Ich war wirklich gerührt, als ich kürzlich bei Susanne Schäfer las, dass sie über die Anschaffung einer neuen großen Kaffeemaschine für ihr Kollegium nachdenkt. Dann sah ich auf einem Foto, wie liebevoll der Tisch für die erste Lehrerkonferenz von ihr vorbereitet war. Das hat für mich was mit Wertschätzung und Anerkennung getaner Arbeit zu tun.))

Deshalb sind meine Vorhaben für das nächste Schuljahr- effektiver zu arbeiten und gelassener zu werden.
Eine liebe Kollegin schenkte mir vor einiger Zeit diesen wunderbaren Spruch zur Gelassenheit, aufgeklebt auf ein Päckchen mit Badezusatz...." Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann."
Das Bad werde ich mir am Sonntagabend einlassen... den Spruch klebe ich auf meinen neuen Lehrerkalender. So, und jetzt lege ich mich auf meine Sonnenliege, lese in meinem neuen tollen Buch und esse nachher eine Riesenschüssel Obstsalat.

Kommentare:

  1. Du sprichst mir aus der Seele!
    Mit 50+ merke ich jeden Tag mehr, wie kräftezehrend dieser Beruf ist, obwohl ich ihn liebe. Bange frage ich mich, wie lange ich diesen ständig zunehmenden Anforderungen (und der mangelnden Wertschätzung) noch gewachsen bin.

    LG Sofie

    AntwortenLöschen
  2. Vollständig lautet der Spruch wie folgt:

    Gott, gib mir die Gelassenheit,
    Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
    den Mut,
    Dinge zu ändern, die ich ändern kann
    und die Weisheit,
    das eine vom anderen zu unterscheiden.

    SEHR GUTER SPRUCH!
    Aber mein Lieblingsspruch, der den oberen prima ergänzt, ist:

    JA sagen, wenn nötig!
    Nein sagen, wenn möglich!

    :o) In diesem Sinnde, einen lieben Gruß an dich von der *valessa

    AntwortenLöschen
  3. Ach, Du sprichst mir aus der Seele!
    Ich habe auch meine ersten Ferien ohne großartige Vorbereitungen verbracht. Und am Mittwoch geht es wieder los. Dafür bin ich aber erholt wie nie. Ich werde den Montag und Dienstag für Vorbereitungen im Klassenraum nutzen. Das wird schon passen, irgendwie.
    Ein schlechtes Gewissen habe ich -wider Erwarten- nicht. Stattdessen überwiegt die Erholung!
    Die letzten Jahre konnte ich mich auch beim Erstellen von Unterrichtsmaterial erholen, dieses Jahr war das nicht so. Ich hatte keine Motivation.
    Mit der Materialflut sehe ich es teilweise ähnlich wie Du. In den letzten Sommerferien habe ich Sachen hergestellt, geschnippelt, laminiert, die teilweise gar nicht zum Einsatz kamen, weil wir keine Zeit mehr dafür hatten oder weil es inhaltlich einfach nicht mehr passte. Vielleicht wird das Material irgendwann in den nächsten Jahren seinen Einsatz finden, aber dennoch hat mich das zum Nachdenken gebracht.
    Mit der Wertschätzung ist das so eine Sache. Eine gute Schulleitung gibt ein regelmäßiges Feedback. Ansonsten ist man aber auch im Kollegium gefragt, um sich immer mal wieder gegenseitig zu bestärken.
    Deinen Vorhaben fürs kommende Schuljahr schließe ich mich voll und ganz an: Effektiver arbeiten (und auch weniger am Wochenende. Stichwort: Zeitmanagement. Ein ganz wunder Punkt bei mir) und gelassener werden (denn die Erde dreht sich trotzdem weiter. Oftmals stellt man einen zu hohen Anspruch an sich selber, und geht früher oder später nur daran kaputt).
    Ich drücke uns beiden die Daumen, dass das Vorhaben klappt und wünsche Dir noch wunderschöne Ferien ohne schlechtes Gewissen!
    LG

    AntwortenLöschen
  4. Hallo,
    ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen, sowohl dass man langsam in Panik geraten kann bei dem, was "alle" um einen herum schon vorbereitet haben. Aber auch die Frage, ob die viele Arbeit sich auch lohnt, ob der damit erzielte Effekt sie rechtfertigt.
    Ich wünsche dir, dass du für dich den richtigen Mittelweg findest!
    Liebe Grüße
    Anne

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Sylvia,

    du musst kein schlechtes Gewissen haben, im Gegenteil: Ich glaube ein unerholter Körper und ein wenig entspannter Geist arbeiten sehr viel weniger effektiv als wenn beide in Balance sind. Das Problem des Lehrerberufes ist halt immer: Man ist nie fertig und man könnte noch soviel tun!
    Ich verfolge deine Urlaubsmomente mit Freude und glaube, dass du deinem Mann sehr dankbar sein kannst, dass er dir immer mal auf die Finger klopft, wenn du dir zu wenig Ruhe gönnst! Die Sommerferien sind zwar eigentlich nur "unterrichtsfreie Zeit" (so wird es ja überall gepredigt), aber Urlaub sollte man sich auch gönnen und dann eben richtig und wann denn, wenn nicht in den großen Ferien!

    Deine Gedanken zur Effektivität mancher aufwendiger Materialien kann ich gut nachvollziehen. Ich habe diese Erfahrung auch mehr mals im letzten Schuljahr gemacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass weniger wohl doch manchmal mehr ist. Klar ist ein schöner Legekreis oder eine Stationsarbeit mal eine nette Abwechslung, aber gut gemachte Arbeitsblätter oder ein sinnvolles Unterrichtsgespräch haben wahrscheinlich oft den gleichen Effekt.
    Deine Vorhaben fürs neue Schuljahr kann ich nur unterstreichen. Die finde ich prima!

    Noch ein Satz zu Lob und Anerkennung: Du hast so recht!
    Ich habe letzten erst ein Buch gelesen in dem es darum ging, wie man als Lehrer Burnout vorbeugen kann. Darin wurde mangelnde Anerkennung der Arbeit und eine Haltung von: "Das geht doch bestimmt besser" und dem damit verbundenen Gefühl nie gut genug gewesen zu sein als Faktor Nummer 1 für Burnout genannt.

    Daher: Urlaub ist wichtig, ein Arbeitspensum im normalen Umfang ist richtig und die Achtsamkeit mit der eigenen Person sollte immer Vorrang haben.

    Alles Liebe und einen guten, entspannten Start am Montag, Anna

    AntwortenLöschen
  6. Find ich super, diese Einstellung. Endlich traut sich auch mal jemand, das so zu sagen. Das, was du zum Thema Lob gesagt hast, ist so wahr.
    Ich habe auch dauernd ein schlechtes Gewissen, obwohl ich recht viel gemacht habe und habe mir die Sonnenliege nicht gegönnt... ärgert mich aber. Ich kann das mit der Vorbereitung manchmal einfach nicht lassen :-( Ich sollte mir ne Scheibe von dir abschneiden ;-)
    Sternchen

    AntwortenLöschen
  7. Bei Susanne Schäfer lese ich auch regelmäßig. Aber einen gedeckten Kaffeetisch konnte ich nicht entdecken. Gibt es von ihr außer zaubereinmaleins noch einen Blog, den ich nicht kenne?

    Liebe Grüße,
    Anita

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anita, das Foto vom vorbereiteten Tisch konnte man bei facebook betrachten. Susanne betreibt aber tatsächlich noch zwei Blogs. Den einen habe ich verlinkt- augenbloglich, der andere ist der Schlupfblog von Konstantin.
      Herzliche Grüße von Sylvia

      Löschen

Ich freue ich mich über ehrliche, kritische Kommentare und hoffe auf eine vielseitige "Kommentarkultur" in diesem Blog. Beleidigende, herabwürdigende oder unterstellende Kommentare veröffentliche ich NICHT.
Auf alle veröffentlichten Kommentare kann ich aus Zeitgründen nicht immer reagieren. Ich bemühe mich aber, Fragen schnellstmöglichst zu beantworten.
Arnie