21. September 2012

Unzufriedenheit

Heute war ich ziemlich unzufrieden mit der Arbeit am Lernweg. Irgendwie hatte ich das Gefühl... Jeder macht was er will, keiner macht was er soll und alle machen mit. Naja, ganz so war es nicht, aber so richtig fleißig gearbeitet haben manche meiner Schulkinder heute nicht. Für mich ist es noch schwierig, alles so richtig loszulassen. Ich denke, manche Kinder brauchen eine stärkere Anleitung, manche kommen mit dem Loslassen gut zurecht... und dann der wirklich nicht gerade leise Geräuschepegel, welcher mich selbst absolut nervt. Der Lautstärkeanzeiger ist fast ständig auf gelb/rot gestellt. Kaum wende ich meinen Po, fangen einige an zu kaspern, andere wissen nicht so richtig was sie tun sollen und fragen ständig nach .....die nächsten fühlen sich vom Lärm gestört und können sich schlecht konzentrieren. Und ich habe Angst, dass nicht alle  Kinder wirklich begreifen, wie das Lernen funktioniert. Irgendwie beschlich mich das Gefühl, plötzlich Beschäftigungstherapie zu betreiben...und das macht mich gar nicht glücklich. Im Sachunterricht besprachen wir dann noch einmal die Regeln, auch den Unterschied zwischen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit. Wichtig ist mir auch, dass es für ständig nicht richtig eingehaltene Regeln Konsequenzen gibt....der "Zeiträuber" zieht bei manchen Kindern leider nur bedingt. Was mir ebenfalls nicht gefällt, ist das alleinige Drucken der Buchstaben. In manchen Heften sieht es ziemlich wüst aus und die Liniatur wird so gar nicht beachtet. Dazu muss ich schreiben, dass ich Formati- Hefte nutze, deren Anfangsliniatur sehr einfach gestaltet ist, also meinte ich dort, keine Probleme zu sehen. Hmm, vielleicht will ich auch zuviel auf einmal. Trotzdem bin ich heute enttäuscht nach Hause gefahren und frage mich gerade, ob Nutzen und Zeitaufwand in Relation stehen.
Ich hoffe, die Leser dieses Beitrages verstehen mein Nachdenken nicht falsch, aber man muss als Lehrerin auch zweifeln können und manches infrage stellen dürfen, sonst ist man meiner Meinung nach nicht ehrlich zu sich selbst. Ihr seht also, es ist bei mir auch nicht nur alles heile und gelungene Schul"welt".
 

Kommentare:

  1. Bei uns lief es heute scheinbar ähnlich wie bei euch. Zu viele Kinder hatten gleichzeitig zu viele Fragen, brauchten Unterstützung und ich wusste nicht, wie ich allen gerecht werden sollte. Gestern hatte es noch gut geklappt aber der Ablauf war einigen leider heute nicht mehr klar. Die "Arbeitsunruhe" haben wir auch noch nicht gut im Griff. Zu oft muss ich noch an "Arbeitszeit ist Flüsterzeit" erinnern. Ich baue darauf, dass es mit der Zeit und den ja immer wiederkehrenden Abläufen besser wird. Aber ein bischen frustriert war ich heute auch. Vielleicht war ich aber auch nur, genau wie die Kinder, kaputt von der Woche und habe es deshalb als so "schlimm" wahrgenommen. LG Ronja

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  2. Hallo,
    auch ich habe mit viel Arbeitsaufwand in den Sommerferien den Buchstabenweg erstellt und immer wieder überarbeitet, auch mit den Hinweisen in einem anderen blog.
    Nun frage ich mich aber inzwischen auch, ob das Arbeiten daran wirklich so effekttiv ist, wie ich mir das erhofft hatte. Bei mir läuft es ähnlich wie bei dir, dass es sehr laut wird, viele nicht alleine arbeiten können und immer wieder nachfragen, auch in der 5. und 6. Woche noch und dann so lange gar nichts machen oder rumkaspern, bis ich mich um sie kümmern kann. Eine befriedigende Lösung habe ich noch nicht gefunden. Ich fände es schön, wenn du weiter berichten würdest, wie es dir ergeht, vielleicht können wir dann zusammen eine Verbesserungsmöglichkeit finden :-)
    Ich habe jetzt erstmal vermehrt auch unsern Buchstabenordner und den Druckschriftlehrgang mit in den Buchstabenweg einbezogen, weil die Kinder da zumindest wissen, was sie machen sollen. Allerdings war das ja eigentlich nicht der Sinn der Sache...
    Die weiterhin viel Spaß und ein schönes Wochenende!
    Anke

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  3. Hallo!
    Letzte Woche hatte ich zwar das Lautstärke-Problem auch, aber die Arbeit am Buchstabenweg hat besser geklappt. Und das ist eigentlich aus der Not heraus entstanden.

    Die ersten Wochen hatte ich immer einen Buchstaben gemeinsam eingeführt, in dem ich Sachen mit dem entsprechenden Anlaut in einem Zaubersack haben fühlen lassen und anschließend die Schreibrichtung mit verschiedenen Körperteilen (Hand, Faust, Finger, Ellenbogen und - sehr beliebt - Zunge, Nase, Popo...). Danach habe ich anhand der Bilder jedes Mal gezeigt, was man alles machen kann und muss und die Kinder gruppenweise losgeschickt, sich was auszuwählen und zu bearbeiten, aber alle noch am selben Tag und gleichzeitig. Das lief dann so etwa, wie du es beschrieben hast.

    In der letzten Woche lief es anders, da wir einen heftigen Streit schlichten mussten, ein paar Umschläge mit Wendeplättchen gesucht werden mussten, wegen eines kranken Kindes telefoniert werden musste, eine Wasserflasche ausgelaufen war...
    Naja, jedenfalls konnte ich den Buchstaben gerade noch so vor Schulschluss einführen und für den Buchstabenweg war keine Zeit mehr. Darum habe ich an den darauf folgenden Tagen immer die Kinder, die mit etwas schnell fertig waren, dorthin geschickt bzw. bin mit einzelnen zu den Stationen, habe mit ihnen überlegt, was sie noch nicht bearbeitet hatten und was sie besonders üben müssen. Das hat viel besser funktioniert, weil nie alle Kinder am Buchstabenweg waren, sondern immer noch welche in anderen Heften am Platz gearbeitet haben (oder mit dem Nachbarn gequatscht ;-/)

    Den Teil mit den ganzen kleinen Katastrophen wollte ich nächste Woche weglassen ;-), aber ich werde die Einführung wieder erst vor der Pause oder vor Schulschluss machen und an den folgenden Tagen am Buchstabenweg arbeiten lassen.

    Außerdem habe ich ganz noch einige Hörstationen mit verschiedenen Schwierigkeitsgeraden ergänzt und auch das hat zur Entzerrung beigetragen.

    Hoffentlich klappt es nächste Woche wieder so gut und dann auch noch leiser!!!

    Liebe Grüße
    SaWie

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    1. Ich danke sehr herzlich für eure Ehrlichkeit, denn zu beschreiben, dass etwas bei Lehrern nicht sooo läuft, ist nicht jedermanns Sache. Ich hatte auch etwas Bedenken, wie mein Beitrag ankommen wird, wenn ich von meiner Unzufriedenheit schreibe. Umso mehr freut es mich, liebe SaWie, dass du sehr ausführlich schreibst, wie du vorgegangen bist... das hilft mir als Tipp sehr weiter. Im Moment ist mein Eindruck, dass die Kinder z.T. mit Material überflutet sind und es wirklich zu einer Reizüberflutung kommt. Da ich mit dem System des Indivieduellen Lernens unbedingt arbeiten möchte, habe ich nach und nach FA- Material eingeführt....und genau davon sind manche meiner Schulkinder jetzt heillos überfordert- mein Fehler!! Dann kam noch der Buchstabenweg hinzu und ein Junge sagte dann irgendwann "Ich weiß gar nicht, was ich machen soll!". Also werde ich einiges zurücknehmen, die Einführung des neuen Buchstabenweges auch auf die letzte Stunde legen, damit am nächsten Tag gut gearbeitet werden kann. Ja und das Chaos mit Flaschen, Streit usw. kenne ich zur Genüge. Mein Porblem ist derzeit diese blöde Geldeinsammelei. Ich komme mir vor wie die Sparkasse. Da frage ich mich dann manchmal ernsthaft, wofür es Sekretärinnen gibt.
      Liebe Grüße von Sylvia

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  4. Arnie, Hut ab, ich finde es ganz toll, dass du auch Sachen ansprichst, die nicht so optimal und zu deiner Zufriedenheit gelaufen ist. Unser Lehrerdasein ist auch damit konfrontiert, wie jeder von uns weiß(aber auch nicht jeder vielleicht zugibt).Das macht dich gerade so authentisch und sympathisch. Würde alles wie am Schnürchen klappen und täglich würde die Sonne scheinen... ja dann würde ich zweifeln! ;-)

    LG
    myway3

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