18. August 2013

Hakuna Matata

Puderzuckersand, fast menschenleerer Strand und türkisblaues Meer.....paradiesisch
Auch wenn noch nicht September ist, melde ich mich mal wieder zurück.
Viel ist in den letzten Wochen passiert, manches war sehr negativ, vieles hat sich positiv entwickelt und unser Urlaub war traumhaft schön, was mich vieles verdrängen ließ.
Ich will mich an dieser Stelle gar nicht so über meine unschönen Erinnerungen auslassen. Nur so viel: Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes mein Gleichgewicht verloren und brauchte viel Zeit, um wirklich wieder normal auf die Beine zu kommen. Das war heftig, denn ich bin eigentlich ein Stehaufmännchen, aber diesmal diktierte der Körper das Tempo und das war langsam. Aber alles ist im Leben zu etwas gut und so hatte ich genug Zeit zum Nachdenken (zu mehr war ich teilweise gar nicht in der Lage).
Der Stand der Dinge ist, dass ich im nächsten Schuljahr die Koboldklasse nicht weiterführen kann, da ich zu einem Großteil meiner Stunden in die Lehrerausbildung gehen werde. Diese Entscheidung habe ich sehr bewusst getroffen, auch wenn mir mein Lehrerherz wehtut, denn die Klasse ist wunderbar. Aber es gibt für diese Entscheidung Gründe, welche nichts mit den tollen Kindern und engagierten Eltern zu tun haben.
Ich freue mich nun auf weitere junge Leute, die unseren Beruf erlernen wollen, denn ich bekomme eine zweite Seminargruppe in der Fachdidaktik Sachunterricht. Die Kobolde werde ich drei Stunden in der Woche im Fach SU unterrichten, worauf ich mich freue, denn viele tolle Themen warten auf sie. Insgesamt bin ich zwei Tage an der Schule und damit keine Klassenlehrerin mehr. Der Gedanke daran ist schon komisch, da ich fast immer eine Klasse führte und mir jetzt fast wie ein Gast vorkomme. Aber wie schon erwähnt, es war eine wohlüberlegte Entscheidung. Das alles spielte sich am Ende des vergangenen Schuljahres ab und die Turbulenzen darum brauche ich sicher nicht zu beschreiben. Am schwersten fiel mir das Zeugnisschreiben. Zum einen, weil es nur kreiselte in meinem Kopf, zum anderen weil ich beim Schreiben irgendwie Abschied von jedem einzelnen Kind nahm.
Leider musste ich auch bittere Pillen schlucken und damit meine ich nicht meine Medizin. Eine davon war, dass man scheinbar nur etwas wert ist, wenn man leistungsfähig und gesund ist. Aber auch positive Resonanz bekam ich zu spüren..... eine große Wertschätzung meiner geleisteten Arbeit durch die Eltern der Kobolde.
So begannen die Sommerferien mit vielen Arztbesuchen, Therapien und der großen Angst, den tollen Traumurlaub evtl. nicht antreten zu können. Meine Familie, meine Freunde bestärkten mich immer, bauten mich auf und meine jungen Kolleginnen kümmerten sich rührend um mich...riefen an bzw. besuchten mich. Auch das war eine menschliche Erfahrung, wer bei dir bleibt, wenn es dir nicht gut geht. Am Ende ging alles gut und wir traten unsere Silberhochzeitsreise an, welche traumhaft schön war und für immer in meinen Gedanken bleiben wird. Schön war, dass unser Sohn und seine Freundin uns begleiteten und wir alle Eindrücke teilen konnten....ich war glücklich und das hat mich auch weiter gesund werden lassen. Trotzdem werde ich in Zukunft mehr auf mich aufpassen müssen, denn alle Ärzte waren sich einig, dass der Auslöser für die ganze Sache Stress war.
Ich bin nach diesem Urlaub sicher, dass wir uns viel von der Lebensart anderer Nationen abschauen und ruhiger, gelassener leben und arbeiten könnten. Als ich zum Beispiel mein Klassenzimmer ausräumte, wurde mir bewusst, wie viele Materialien ich im letzten Jahr gedruckt, laminiert, ausgeschnitten und hergestellt habe (man bedenke ja auch die damit investierte Zeit). Auch welche Mengen ich an Dingen für die Schule insgesamt habe (zwei große Autoladungen) und wie viel Geld ich schon in Schulsachen gesteckt habe. Natürlich braucht man Materialien, trotzdem sollte man alles relativieren.....Ich will jetzt nicht zur Faulheit aufrufen, dafür liebe ich meinen Beruf viel zu sehr, aber man sollte mit seinen Kräften sorgsam haushalten. Im Urlaub hörten wir oft den Ausspruch "Hakuna Matata".....ein bisschen was könnten wir Lehrer uns in bestimmten Momenten davon annehmen. So und nun noch ein schönes Lied, welches mich hoffentlich in den nächsten Wochen oft begleitet.

Ach ja... und passt gut auf euch auf, denn es gibt auch ein tolles Leben neben der Schule, vergesst es nicht.

 

Kommentare:

  1. Wie wahr... Ich habe Gänsehaut! Alles Gute für dich :-)

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  2. Liebe Sylvia! Glückwunsch zu deiner wohlgereiften Entscheidung! Wichtig ist, dass DU hinter dieser stehst.... alles andere ergibt sich. Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg in der Ausbildung junger KollegInnen. Ich bin mir total sicher, dass dir das bestens gelingen wird und du viel Motivation weitergeben wirst!!!! Also: einen total guten "Neustart"!!!!!!!!! :-)

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  3. Liebe Silvia,

    ich wünsche dir auf deinem gewählten Weg alles Liebe!

    Dein Post hat mich sehr berührt und nachdenklich gestimmt, vor allem dein Satz über die "bitteren Pillen", den ich jedoch aus völlig anderen Gründen so unterschreiben kann.

    Es freut mich sehr für dich, dass du deine Traumreise mit deiner Familie antreten und genießen konntest - auch ich konnte ganz viel Kraft aus dem "Familienurlaub" (ebenfalls mit Sohn und seiner Freundin) schöpfen und viele Erlebnisse und Eindrücke haben mein Leben wieder einmal "zurecht gerückt" und mich darauf besinnen lassen, was wirklich wichtig ist.

    Leider holt einen (oder mich?) der Alltag immer so schnell wieder ein und ich haushalte dann nicht wirklich mit meinen Kräften - ich bin da ganz bestimmt nicht alleine! Deshalb auch noch einmal Dankeschön, für deine ehrliche und offene Erinnerung!

    Ich werde deinen Weg gerne weiterverfolgen, wünsche dir vor allem weiterhin gute Besserung und viel Spaß und Erfolg mit deinen "Großen"!

    Liebe Grüße
    Gabi

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  4. Oh, das klingt nicht gut! Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft, damit du wieder richtig "auf die Beine kommst"! Unsere Gesundheit ist das Wichtigste, was wir haben. Deshalb müssen wir nimmermüden Lehrer lernen, auch mal "nein" und sagen und mehr an uns zu denken. Mir ging es vor einiger Zeit ähnlich. Ich falle immer mal wieder in alte Extreme zurück, aber im Großen und Ganzen hat mir die Erkrankung das Wesentliche wieder ins Bewusstsein gerückt.
    Alles Gute für dich!!
    Junas

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    1. Liebe(r) Junas,
      wie recht du hast!
      Viele Grüße, alibert

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  5. Liebe Sylvia
    Das klingt toll, wie du das alles geschafft hast und vor allem, dass es dir wieder besser geht!
    Ich hoffe, die Gedanken, die du dir gemacht hast, wirken auch noch nach, wenn du wieder in der Schule stehst - sei es bei deiner Koboldklasse oder im Seminar - und wünsche dir weiterhin viel Kraft.
    Liebe Grüsse Marisa

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  6. Liebe Silvia!
    Schön wieder von dir zu lesen und noch viel schöner, dass das insgesamt wieder sehr positiv klingt. Auf dem neuen Foto siehst du jedenfalls toll aus: erholt, frisch, lebenslustig...
    Alles Gute und hoffentlich gibt es hier auch ohne Klassenleitung bei den Kobolden wieder was von dir zu lesen.
    Ganz liebe Grüße
    Sabine

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  7. Liebe Silvia,
    da hast du einiges hinter dir. Für deinen Neustart wünsche ich dir alles Gute und weiterhin viele großartige Menschen um dich, alles Liebe amilou.

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  8. Liebe Arnie,
    so vieles, das du ansprichst, kann ich total gut nachvollziehen. Ich finde es schön, dass du dich nach all deinen Sorgen und Problemen wieder gut erholt hast. Wie wichtig sind da liebe Menschen!
    Ja - und die Sache mit der Leistung... Schon seltsam, aber eigentlich passt deine beschriebene Erfahrung mit den "bitteren Pillen" so gar nicht zu unserem Berufsbild. Absurd - aber ich habe auch schon solch ungute Situationen mitbekommen und dagegen angekämpft.
    Schön, dass du deinen Traumurlaub doch noch genießen konntest - Abstand gewinnen ist sooo wertvoll. Und noch was: Mit deinem letzten Satz hast du so recht! Ich werde versuchen, mir das zu Herzen zu nehmen und mehr auf mich selber achten, öfters "nein" oder "nicht jetzt" sagen...
    Ich wünsche dir nun einfach, dass dein Weg, so wie du ihn jetzt gehst, der richtige für dich ist!
    Mit lieben Gedanken, alibert

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  9. Ihr Lieben, danke für eure Kommentare. Was mich immer wieder betroffen macht ist die Tatsache, dass es scheinbar vielen ähnlich geht oder diese ähnliches erlebt haben. Leider habe ich meine Kraftreserven unterschätzt...sicher hat das auch etwas mit dem Alter zu tun. Als junger Mensch kompensiert man einiges besser. Da sich aber die Begleitumstände in unserem Beruf nicht unbedingt verbessern, sollten auch junge Leute gut mit ihrer Arbeitskraft haushalten. Denkt also an den letzten Satz und auch daran, dass man nicht immer stark sein muss um jeden Preis.
    Herzlichst eure Sylvia

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