18. Februar 2016

Ist Sächsisch eine Verlierersprache?

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Da ich kürzlich per Mail gefragt wurde, ob ich so richtig sächsele, kam ich auf die Idee, mal etwas darüber zu schreiben. Natürlich gehe ich jetzt nicht zum wiederholten Male auf das mehrdeutige Wort mit "r" ein, denn dazu habe ich mich ja schon einmal geäußert.
Aber um die Frage zu beantworten- Ja, ich spreche Dialekt, nämlich sächsisch. Leider ist unser Dialekt sehr negativ belegt und oft ärgere ich mich über dämliche Äußerungen diesbezüglich, zum Beispiel wenn mich Leute im Urlaub (scheinheilig) fragen, woher ich komme. Meistens antworte ich dann: DAS hört man doch! Oder wenn hochdeutsch sprechende Leute versuchen, sächsisch nachzuahmen...Schlimm! Ehrlich gesagt würde ich in manchen Situationen auch gern hochdeutsch sprechen können, weil es zum Teil "souveräner wirken" kann. Aber nichts klingt dämlicher als ein Sachse, der versucht, mit Krampf hochdeutsch zu sprechen. Also spreche ich so, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Mein Eindruck ist, dass scheinbar die Bayern, Österreicher und Schweizer kein Problem mit unserem Dialekt zu haben. Ich liebe zum Beispiel den Dialekt der Rheinländer und kann mich an deren Frohsinn zu Karneval und ihrer Sprache unheimlich erfreuen. Als Kind habe ich sehr gelitten unter dem Spott zu meinem Dialekt, denn in einer Klasse voller Berliner hatte ich keine guten Karten. Es war schlimm, wenn die komplette Klasse bei einer Antwort von mir im Unterricht komplett flach lag vor Lachen. Fragt nicht, wie schnell ich berlinern lernte. Mein "Spitzname" war damals in der Klasse "Vogtland" und ich litt wie ein Hund, wenn man mich damit betitelte. Aber das ist lange vorbei! Heute rede ich gern vogtländisch, wenn ich in meiner Heimat bin. Uwe Steimle, ein sächsischer Kabarettist erklärt unsere sächsische Sprache sehr schön in diesem Video und sagt einen wunderbaren Satz zum Dialekt: "Wer seinen Dialekt spricht, hat immer Charakter." Also auch wenn wir Sachsen vielleicht manchmal für einige Ohren komisch klingen sollten, so ist es sicher keine Verlierersprache.



Kommentare:

  1. Ach was, wer fragt denn sooo was doofes?! ;P

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  2. Es lebe der Dialekt! Ich liebe die verschiedenen Dialekte der deutschen Sprache und sie machen die Sprache so viel bunter, fröhlicher und reicher! Und als Schwäbin spüre ich eine tiefe Verbundenheit mit den Sachsen! Auch der leichte Minderwertigkeitskomplex wegen unserer Dialekte eint uns! Ein Hoch auf die Bayern, die mit einer Selbstverständlichkeit und Selbstbewusstsein ihr Bayrisch kultivieren! Natürlich gibt es Dialekte, die ich nicht ganz so mag, wie andere, aber ich akzeptiere alle in ihrer Einzigartigkeit. Deshalb krieg ich aber gerne 'ne richtige Wut, wenn jemand sich über so "bäuerliche Dialekte" lustig macht und von sich behauptet, er spräche reines "Hochdeutsch"!

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  3. Übrigens, da fällt mir eben ein: Als ich vor Jahren hier ins Bundesland zog, wo ich derzeit lebe, und nach ein paar Monaten wieder meine Mutter sah, sagte sie: Deine Wörter haben sich zwar nicht geändert, aber der Singsang (= die Betonung der Silben) sei anders geworden!

    Witzig, selbst war ich mir dieser veränderten Feinheiten gar nicht bewusst.

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  4. ... eine Antwort auf deine Frage - die für dich passende Version musst du selbst basteln.

    Am achten Schöpfungstag verteilte Gott die Dialekte. Ein bitterlich schluchzender Mensch bleibt übrig: "Ich habe überhaupt keinen Dialekt abgekriegt!" " Ha, no schwätzt am beschte eifach wie i!"
    Viele Grüße aus dem Schwabenland

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