14. Juni 2016

Ausblick(e)

So, wie das Leipziger Erdmännchen, hielt ich gestern nach meinem Zug Ausblick (Richtung Lehrerausbildungsstätte), welcher einfach mal ersatzlos ausfiel. Der Ausblick auf die Reisekostenrückerstattung diverser Fahrkarte und Parkhausgebühr (ich hetzte schweißgebadet und grimmig mit dem Auto los) ist auch eher mies und mit viel Aufwand verbunden. Ja, in Deutschland herrschen eben Gesetz und Ordnung und daran hat man sich zu halten, auch wenn der Zug ausfällt.....GRRRRR!

Aber das sind so die geringeren Probleme, die es in nächster Zeit zu bewältigen gilt. Ich erlebe viel Resignation und Frust unter Kollegen, mit welchen ich zum Teil viel zusammenarbeite bzw. welche ich aus verschiedenen Bereichen gut kenne. Ich nenne sie mal Zugpferde....also engagierte, kraftvolle, energiegeladene Menschen, die in unserem Bildungssystem viel bewirken. Leider haben diese Zugpferde zum Teil keine Kraft oder Energie mehr. Der Ausblick für die nächsten Jahre ist nämlich nicht rosig. Es fehlen Lehrkräfte. Ich will hier nicht politisieren, deshalb versuche ich mit Bildern zu arbeiten. Die Zugpferde bleiben irgendwann stehen....weil sie nicht mehr können. Nachwuchs ist zu wenig da, Kraftfutter als Anreiz fehlt, von notwendigen Streicheleinheiten keine Spur. Wer zieht nun den Wagen in die richtige Richtung? Kürzlich hörte ich den Satz " Früher ging ich in meine Schule, jetzt gehe ich auf Arbeit." 
Ich selbst habe noch keinen genauen Ausblick zu meinem Einsatz im neuen Schuljahr und bin darüber beunruhigt.......in knapp zwei Wochen sind Sommerferien. Nur kleine Beispiele.....
Ich lese gern bei Susannes Eisbärenklasse. Sie mahnt in ihren Posts die gesunde Gelassenheit an und beschreibt sehr warmherzig, wie sie und ihr Team mit Problemen umgehen, was sie tun, um nicht am Frust zu knabbern. Einerseits baut mich das sehr auf, auch wenn ich die Kommentare lese, andererseits fehlt auch mir persönlich mein positiver Ausblick.....
Sprüche von bestimmten Leuten wie "Wer, wenn nicht wir?" und "Wir müssen positiv nach vorn schauen" kann ich nicht mehr hören......
Vielleicht habe ich zu verworren geschrieben, aber mich bewegt im Moment sehr viel...man merkt es dem Post sicher an.

Kommentare:

  1. Liebe Arnie,
    ich verstehe dich sehr gut! Leider gibt es Punkte wie dein Bild der Zugpferde, die nur durch eine andere Schulpolitik zu lösen wären. Und dann gibt es Punkte, die durch eine bessere Planung ganz einfach zu verbessern wären.
    Die Schulleitungen merken z.B. einfach nicht, wie wichtig es für uns Lehrer ist, frühzeitig zu wissen, wo es im nächsten Schuljahr hingeht. Deswegen denke ich immer, man könnte doch schon viel früher (z.B. nach dem 1. Halbjahr) mit den Planungen für das neue Schuljahr beginnen. Es wäre so schön, wenn man, wie in der Schule von obiger Susanne den Stundenplan vom kommenden Schuljahr schon vor den Sommerferien hätte. Dann wüsste man, worauf genau man sich einstellen kann. Dass es dann noch kleinere Veränderungen gibt, bitte schön, aber in meinen Augen wäre es durchaus machbar. Man müsste eben mit Kollege x rechnen (wenn noch Stellen zu besetzen sind) und der entsprechende Kollege müsste dann die noch freien Lücken schließen.
    Aber leider habe ich eine so konsequente und effiziente Arbeit der Schulleitung auch noch nicht persönlich kennengelernt. Ich kann dir zwar nicht helfen, aber du stehst mit deinen Gedanken auf jeden Fall nicht alleine da, ich weiß auch noch nicht, wo ich im nächsten Schuljahr arbeite.
    Viele Grüße
    Birgit

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  2. Ich finde auch immer wieder schade und schlimm zu erleben, wie gute Lehrer/innen systematisch durch viel Bürokratie, überhöhte Ansprüche und Forderungen, keinerlei Zugeständnisse oder wenig Menschlichkeit kaputtgespielt werden. Und dann wir gepeitscht und auf Schule und Lehrer geschimpft.
    Schon durch dieses Wartenlassen, wenig Entscheidungsmut (bewusste Wortschöpfung) und Hinhaltetaktiken überhaput Taktieren geht so viel Energie und Wille verloren. Wenn dann noch mehr Stunden, weniger Bezshlung und x Aufgaben ohne drauf kommen, kein Wunder.
    Ich kann dich so gut verstehen, werde nichts von positivem Denken schwafeln, sondern einfach nur mal "Fühl dich gedrückt und verstanden" und wünsche dir und euch, dass es bald die richtigen Entscheidungen gibt.

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  3. Liebe Arnie,
    es ist wirklich schlimm. Nach 10 Dienstjahren ist es für mich auch immer öfter die Arbeit und nicht die Schule, die Klasse,... Es ist einfach zu viel, was man von uns verlangt und das, wofür ich Lehrer geworden bin, also das Planen und Gestalten von gut durchdachtem, freudvollem, differenzierten, spannenden Unterricht tritt immer mehr in den Hintergrund. Auf einer Fortbildung die Tage ging es um Schüler, deren verhalten den Unterricht stört und es wurden Tipps gegeben, die für mein Verständnis mehr Therapie sind, als Erziehungsmaßnahme. Wiederum ohne irgendeine Maßnahme kann ich nicht unterrichten. Aber sind wir jetzt auch Therapeuten? Krankenschwester, Seelsorger, Erziehungsberater, Sozialarbeiter, Sekretärin, Reinigungsfachkraft und Lehrer und Mentor bin ich ja schon. 28 Stunden Unterricht und 28 individuelle Kinder in vieler dieser Stunden ist einfach schon Herausforderung genug! Und in großer Not sind es auch schon mal über 30 kleine Kinder! Wo führt das hin? Und dann sind zunehmend Menschen im Lehrerdienst, die keinerlei pädagogische Ausbildung haben, die wir auch noch auffangen bzw. deren Handeln in der nächsten Stunde ausgleichen. Oft sehne ich mich nach etwas Zeit, um für die Kinder schöne Inhalte aufzuarbeiten, etwas Neues zu planen,... aber die Zeit habe ich gar nicht und das macht mich auch sehr unzufrieden!!

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  4. Oh ja! Manchmal könnte ich auch platzen oder mich frustriert zurückziehen. Aber dann habe ich heute in der Zeitung über die Glücksforschung gelesen, dass 50% Gene, 10% äußere Umstände und 40% eigene Gedanken und Taten das Wohlbefinden ausmachen. Da ich sehr optimistische Eltern hatte, versuche ich jetzt gezielt positiv zu denken, nicht mehr zu motzen und Probleme, die ich nicht ändern kann, einfach zu ignorieren. Irgendwann muss ich ja gegen das miese Zehntel ankommen!
    Liebe Grüße
    Heike

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  5. Der Lehrerberuf verändert sich, genau wie es auch so viele andere Berufe betrifft. Es verschmelzen immer mehr Aufgaben miteinander: Erzieher, "Elternteil", Psychologe, Diagnostiker.... und Lehrer. Nur Lehrer reicht eben nicht mehr. Das kann man bedauern oder nicht und bleibt jedem selbst überlassen.

    Jedes System, egal ob biologisch, gesellschaftlich oder sonst wie gewachsen, ist relativ veränderungsstabil. Das ist völlig normal. Das Schulsystem im Großen, aber auch im Kleinen (jede einzelne Schule) hat sein ganz eigenes Immunsystem und greift jeden an, der daran etwas verändern möchte. Entweder man wird behindert oder es wird versucht, den Eindringling zu neutralisieren. Das kann man befürworten oder nicht.

    Veränderungen von Systemen brauchen mehr oder weniger viel Zeit. Ja, Lamentieren hilft hier leider gar nichts! Die Welt hat nicht auf all diejenigen mit den Flausen im Kopf gewartet. Die Frage ist vielmehr, wie gelingt es denjenigen mit den Flausen sich zu vernetzen und trotzdem mit Freude und am besten systematisch weiterzumachen. Anderenfalls wird man vom Immunsystem bzw. den weißen Blutkörperchen aufgefressen.

    All das hat was mit dem großen Thema "Innovation" zu tun, wozu es viel Literatur gibt.

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  6. Fällt mir eben noch ein:
    https://www.youtube.com/watch?v=ZQhh5ISb2Fg

    Über den Autor bzw. seinen Background: https://de.wikipedia.org/wiki/Gunter_Dueck

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