16. Februar 2017

Wer ist Fennek?....oder die Frage nach dem Allgemeinwissen

Grafik: K. Eidenberger
Blog Krabbelwiese
Kürzlich sah ich mit meinem Mann einen guten Dokumentarfilm und es ging dabei um oben genannten Begriff. Mein Mann behauptete felsenfest, dass diese Frage zum Allgemeinwissen gehöre und fast jeder diese auch beantworten könne. Habt ihr sofort gegoogelt?
Ich wusste nämlich die Antwort nicht gleich und hatte schnell das Smartphone in der Hand....zack...da stand die Antwort...es ist ein anderes Wort für Wüstenfuchs. Nun will ich versuchen, die Verbindung zu dem zu finden, was mich eigentlich zu diesem Post veranlasste. Nach meinem Post zum Vergleichsaufsteller kam ich ins Grübeln, weil in den Kommentaren hinterfragt wurde, ob z.B. die Beherrschung der Artenkenntnisse noch "zeitgemäß" sei, da ja wirklich fast alles heutzutage recherchierbar sei. Ich habe die Kommentare als Denkanstoß genommen, nicht als Kritik. Dennoch gehe ich nicht davon ab, dass gewisse Dinge zur Allgemeinbildung eines Menschen gehören...und damit auch zum Allgemeinwissen. Ich bestreite nicht, dass es wichtig ist, Kindern zu zeigen, wie man an gewisse Informationen kommt. Trotzdem sollte ein Schulkind bestimmte regionale Baumarten (ich mache es mal daran fest) kennen. Ohne Allgemeinwissen entsteht auch kein Fachwissen....irgendwann. Als wir in Thüringen weilten, las ich häufig das Wort "Olitäten"* und konnte damit nichts anfangen. Ich fragte einen Thüringer, also einen Einheimischen danach und er konnte es mir sofort erklären. Ich glaube, ich hätte sehr gestutzt, wenn der Mann zum Handy gegriffen hätte, um erst einmal nachzuschauen....als Einheimischer wohlgemerkt. 
Wenn wir alles damit begründen, dass wir nachschlagen, nachschauen oder recherchieren können, brauchen wir irgendwann auch keine Schulen mehr. Stellt euch den Vater vor, der von seinem Sohn im Wald gefragt wird, was das für ein komischer Baum mit herabhängenden Zapfen sei und der Vater googelt im Wald....obwohl...da hat er vielleicht kein Netz! Oder ein anderes Beispiel....was tut ihr bei der Frage von Eltern...Wozu muss mein Kind einen Kompass kennen, wir haben doch ein Navi im Auto?!
Einen Kompass zu kennen, zu wissen, wie er funktioniert und warum, gehört für mich zum Allgemeinwissen.
Ich bin sehr dafür, Kinder immer wieder mit Allgemeinwissen zu konfrontieren und freue mich, wenn ich zum Beispiel bei Instagram lese, dass dies etliche Lehrer immer noch tun. Ich bemerke in meinem Umfeld immer wieder, dass Allgemeinwissen auch viel mit Interesse an den Dingen zu tun hat. Und das ist für mich ein großes Anliegen.... Kinder interessierbar zu "machen", auf ihre Interessen einzugehen und auch Dinge zu vermitteln, die sie evtl. nicht sofort als fundamentiertes Wissen haben, aber als Allgemeinwissen. 
Vielleicht konnte ich einen Denkanstoß geben, über Diskussion dazu würde ich mich freuen....

Kommentare:

  1. Liebe Sylvia,

    ich bin da ganz bei dir.
    Musste übrigens nicht nach Fennek googeln.;-)
    War nur etwas irritiert über die Frage WER, ich hätte mit Was ist ein Fennek? gefragt.
    Ich finde deine letzten Sätze besonders wichtig.

    Das Interesse und die Lernfreude bei Kindern zu bestimmten Themen zu wecken finde ich besonders wichtig. Viel wichtiger als auswendig gelernte Zahlen oder Fakten, die nach kurzer Zeit wieder vergessen sind.
    Was zur Allgemeinbildung gehört, darüber lässt sich sicher streiten. Aber um bestimmte Fakten/Aussagen in einen Zusammenhang stellen zu können, gehört sicher eine gewisse Allgemeinbildung dazu.
    LG
    Marion

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    1. Ich gebe dir recht, liebe Marion!!!! Ich habe darauf herum gedacht und mich für " Wer" entschieden, aber es hätte "Was ist...." heißen müssen. Danke für deine Worte!
      Liebe Grüße von Sylvia

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  2. Also FENNEK hätte ich auch nachschlagen müssen. Ich liebe dafür die heutigen Möglichkeiten des schnellen Googlens :-) Ansonsten schließe ich mich deinen Äußerungen inhaltlich an. Ein paar Dinge aus der Lebenswirklichkeit sollte man kennen und benennen können. Leider ist das selbst bei Pflanzen wie Gänseblümchen nicht immer selbstverständlich. In diesem Sinne Rita

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  3. Liebe Arnie,
    deinem Kommentar, deinen Gedanken, deinen Beispielen kann ich nur zustimmen. Du hast das Thema treffend auf den Punkt gebracht. Denn es ist so wichtig, den Kindern "Anknüpfungspunkte" mit auf den Weg zu geben - und warum, hast du gut begründet. Danke!
    Liebe Grüße, G.

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  4. Auf jeden Fall nachdenkenswert dieses Thema. Die Frage ist eben tatsächlich, was dazu gehören soll. Ich mekre immer wieder, dass je nach Interesse und Vorlieben eben dazu ganz unterschiedliche Themen und Details gehören. Ich denke auch, dass einige typische Bäume, Frühblüher, Tiere, Komponisten, geschichtliche Daten, Schriftsteller, Getreidearten gehören. Aber wo fängt es an und wo hört es auf? Klar, regional unterschiedlich ... Während ein Bäcker der Meinung ist, dass Kinder alle Getreidearten kennen sollten, erwartet ein Gärtner Artenkenntnis von x Unkräutern und ein Förster ist entsetzt, wenn die Kinder nicht alle Spuren erkennen. So schildern es mir immer wieder Kollegen, die von Exkursionen kommen. Immer wieder begleitet vom Satz "Das gehört zur Allgemeinbildung".... Wo aber ziehen wir eine Grenze? Ich sehe mich tatsächlich zeitlich nicht in der Lage, alle diese Themen und noch x mehr wie eben Karten lesen, Kompass, Sexualerziehung, Eigenschaften des Wassers, Verkehrserziehung ... Geschichtliche Themen, Höhenunterschiede, Brücken, Architektur etc. so zu erarbeiten, dass sie nicht nur kurzzeitig abrufbar und beherrscht sondern langfristig ins Allgemeinwissen übergehen. Also, welchen Anspruch wollen wir an vier Jahre legen? Seien wir realistisch. Es ist oft nur ein Anreißen, eine Erwähnung oder ein Neugierigmachen, da würde ich aber noch nicht von Allgemeinbildung reden.
    Ich habe auch gelernt, wie ein Kompass funktioniert und konnte mal eine Karte einnorden. Ich kann es nicht mehr und hab es seit meiner Schulzeit nie wieder gebraucht. Dafür gibt es noch x Beispiele, genauso wie es x Beispiel gibt, wo ich eine gute Allgemeinbildung aufweise. Es hängt an meiner Prioritätensetzung. Allen recht getan ... Tja, was nun? Überfordern wir Grundschule?

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  5. Eine gute Diskussionsgrundlage, die du da geliefert hast.

    Ich kannte zwar einen Fennek, finde dies gehört jedoch eindeutig für mich nicht zum Allgemeinwissen ;-).

    Ich bin auch bei dir, was z.B. die regionalen Baumarten betrifft und schrieb schon damals, dass dies beim Thema "Wald" für mich eindeutig dazu gehört.

    Auf der anderen Seite bin ich ganz nah bei Cubi und frage mich immer wieder selbst, was gehört heute noch wirklich zur Lebenswelt der Kinder, die im Unterschied zu unserer/meiner Kinderzeit "unendlich" groß geworden ist.
    Wo und vor allem wie kann ich anstupsen, um weiteres Interesse zu wecken, um meine SuS neugierig, wissbegierig und lernfreudig zu erhalten. Und da kommen die Kompetenzen bzw. die Kompetenzorientierung ebenfalls zum Tragen.

    Wie Cubi behaupte ich, dass sich meine Allgemeinbildung an meiner Prioritätensetzung orientiert, die habe ich jedoch nie und nimmer in der Schule entwickelt - schon gar nicht in der Grundschule. Naja, vielleicht mit Ausnahme der Leselust - obwohl ich heute nicht mehr sagen kann, ob dies Verdienst der Schule oder diese sich einfach persönlichkeitsbedingt entwickelt hat. Dieser Leselust und meiner persönlichen Reiselust verdanke ich den Großteil meiner Allgemeinbildung, beim Aussehen und den Farben der olympischen Ringe muss ich googlen ;-)

    Meine aktiven Erinnerungen an die Grundschule beziehen sich überhaupt nur auf wenige Dinge: ein Theaterstück, welches wir zum Abschluss der vierten Klasse für die Eltern vorgeführt haben "Des Kaisers neue Kleider", auf die ungerechte Auswahl zum Vorlesewettbewerb, wo die Kinder erst wählen durften und dann die Lehrerin eine gegensätzliche Entscheidung getroffen hat und auf das Wappen von Oberursel, dass mussten wir damals zeichnen und ich fand meines toll - ich glaube, ich könnte es heute noch einmal zeichnen.

    Bei einem Klassentreffen nach 9 Jahren mit einer ehemaligen Klasse, war ich erstaunt, was bei den jungen Erwachsenen noch da war: Das Lied vom Wassertropfen konnte alle noch singen, dies hatten wir im Zusammenhang mit dem Thema Wasser im Sachunterricht gelernt. Einige konnten noch ihre Texte vom Theaterstück der ersten Klasse: "Es klopft bei Wanja in der Nacht" ;-)
    Wenn ich meine Exschüler und deren Entwicklung heute verfolge - Facebook sei Dank - dann spielen die Eiche, Buche oder der Ahorn keine Rolle - aber sehr wohl spielt der Spaß am Lernen, das neugierig Machen oder neugierig Bleiben und das Angenommen fühlen eine Rolle, so jedenfalls nach einer heutigen Psychologin, die mittlerweile in Wien lebt und dort praktiziert und die im ersten Schuljahr mehr unter dem Tisch, als an dem Tisch saß. Ob Frau Dr. E.B. heute noch die Eiche vom Ahorn unterscheiden kann, weiß ich nicht - damals konnte sie es :-)

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    1. Hallo Gaby, das ist aber schön dich wieder zu lesen. Ganz liebe Grüße

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  6. Wenn ich überlege, wie viele Infos allein im Wort "Wüstenfuchs" stecken (Lebensraum, potenzielles Verbreitungsgebiet, potentielle Ernährung, Säugetier, eher klein, pelzig, wohnt bestimmt im Bau, eher nicht tagaktiv, ...), dann ist für mich klar: Man kann zwar fast jede Information googeln, aber um diese rasch einzuordnen bedarf es einfach eines gewissen Allgemeinwissens. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten meiner Grundschulkinder im Groben wissen, was eine Wüste ist und was ein Fuchs ist.
    Überblickswissen und ein gesundes Maß an Schubladendenken finde ich wichtig.

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  7. Ich denke, dass der "Nutzer" dieser ganzen virtuellen Informationsdienste auch all das, was er liest, mit gesundem Menschenverstand prüfen kann. Und dazu legen wir meines Erachtens nach auch ein wichtiges Fundament, auf welchem weiter aufgebaut werden kann.

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  8. Also ich weiß was ein Fennek ist!
    Aber nicht weil ich so viel schlauer bin als andere. Es leigt wohl and er Tatsache, dass mein Familie Fuchs ist. Und alle füchse die es auf der wElt gibt, die kenn ich einfach.

    Und genau diese Tatsache hat was mit Wissen zu zun (man kann statt Wissen auch gerne das Wort Allgemeinwissen einsetzen). Ich habe durch meinen Namen einfach einen Anker, mir fuchsänliche Viecherl zu merken. Es hat einfach mit Interesse an der Welt zu tun. Es macht einfach Spaß Dinge zu wissen... das wäre wohl das höhere Ziel das wir Kindern vermitteln können - im Idealfall ;-)

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